Aktionskonsens - Vereinbarung über eine gemeinsame Bauplatzbesetzung im Rahmen der Gegenstrom08-Aktion
Die Aktion Gegenstrom08 wird am 23. August 2008 ein klares Zeichen für ein anderes Klima setzen: Wir wollen mit vielen Menschen in einer Aktion des Zivilen Ungehorsams die Kraftwerksbaustelle in Moorburg besetzen. Wir wollen bewusst den legalen Rahmen überschreiten und die Baustelle in einer öffentlichen und effektiven Weise stilllegen. Die Aktion soll den Auftakt für weitere Bauplatzbesetzungen bilden.
Der Aktionskonsens
Wir verständigen uns auf einen Aktionskonsens. Dieser gibt allen Teilnehmer/innen eine Orientierung über den Charakter der Aktion. Innerhalb des vom Aktionskonsens formulierten Rahmens sollen vielfältige Ausdrucksformen des Widerstands ihren Platz finden. Diese Vereinbarung soll im Vorfeld der Aktion weit verbreitet werden, damit alle Teilnehmer/innen sich überlegen können, ob die Aktion für sie die „richtige“ ist.
Sollten Teilnehmer/innen in der Aktion den Konsens überschreiten, reagieren wir ruhig und solidarisch. Wir sprechen die Leute möglichst direkt an und erklären ihnen den Sinn unserer Vereinbarung. Wir bitten sie, sich an den Rahmen zu halten oder an anderem Orte ihre Handlungen fortzusetzen.
Der Charakter der Aktion
Unserer Besetzung soll zeigen, dass sehr viele - höchst unterschiedliche - Menschen sich gemeinsam einer klimazerstörenden Politik persönlich und körperlich in den Weg zu stellen. Wir wollen eine MASSEN-Besetzung. Im Vordergrund stehen die Menschen, die die Baustelle besetzen.
Bei unserer Aktion einigen wir uns auf die „Mittel des zivilen Ungehorsams“. Wir sagen entschieden „Nein“, übertreten bewusst den legalen Rahmen, weichen nicht zurück, wenn die Polizei uns auffordert wegzugehen. Ein wichtiger Schutz vor Kriminalisierung liegt in der Massenhaftigkeit und politischen Breite, in der die Aktion angelegt ist. Dennoch mögliche strafrechtliche Konsequenzen nehmen wir in Kauf. Wir werden diese ebenfalls gemeinsam und solidarisch behandeln und tragen – keine/r wird mit Problemen mit Polizei und Justiz allein gelassen.
Wir werden die Polizei nicht angreifen und steigen nicht auf eine von der Polizei ausgehende Eskalation ein. Unsere Aktion soll keine Menschen verletzen.
Vorbereitung
Uns ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen gut vorbereitet und mit anderen Menschen zusammen in die Aktion gehen. Die Teilnehmer/innen an der Aktion sollten sich möglichst zuvor in Bezugsgruppen zusammenfinden und in der Gruppe vorbereiten. In der Aktion achtet jeder Teilnehmer/in besonders auf die anderen Menschen aus seiner/ihrer Bezugsgruppe und alle agieren möglichst gemeinsam. Jede Bezugsgruppe entsendet eine/n Delegierte/n in den Sprecher/innenrat als wichtiges Austausch-, Informations- und Entscheidungsgremium.
Auf dem Weg zum Bauplatz
Die Polizei wird uns wahrscheinlich daran hindern wollen, auf den Bauplatz zu gelangen. Wenn wir auf Polizei-Absperrungen zugehen, bleiben wir nicht stehen. Die entscheidenden Mittel fürs Durchkommen sind Masse und Entschlossenheit. Wir vermeiden jede Form von Klumpenbildung. Wir verteilen uns und versuchen Lücken in den Absperrungen zu nutzen. Wenn es nach vorne nicht weiter geht, weichen wir zur Seite aus. Auch wenn die Polizei Gewalt anwendet, steigen wir nicht auf die Eskalation ein, sondern versuchen weiter, die Baustelle zu erreichen. Es bleibt maximal beim Drängeln. Wir stellen sicher, dass sich Menschen um diejenigen kümmern, die evtl. verletzt oder nicht durchgekommen sind. Natürlich kann jede/jeder jederzeit möglichst abgesprochen mit anderen die Aktion verlassen.
Wenn es uns beim ersten Versuch nicht gelingt, auf die Baustelle zu kommen, werden wir im Laufe des Tages weitere Versuche starten.
Auf dem Bauplatz
Auf der Baustelle angekommen, sorgen wir durch unsere MASSENanwesenheit dafür, dass die Arbeiten auf der Baustelle eingestellt werden. Wir machen es uns soweit das möglich ist auf der Baustelle gemütlich und viele finden sich in größeren Gruppen zusammen.
Alle Aktionen auf der Baustelle finden in einem Rahmen statt, der niemanden verletzt oder gefährdet. Wichtige Anhaltspunkte, ob eine Aktion in diesem Sinne die Aktion gefährdet, können sein: Die Einsehbarkeit der Aktion, die Nähe zu den größeren Gruppen von Blockierer/innen, die Präsenz und das mehr oder weniger eskalative Auftreten der Polizei. Ausgeschlossen sollen auf jeden Fall alle Aktionen sein, die mit Feuer und/oder größerer Rauchentwicklung zu tun haben.
Aber wenn es z.B. Kleingruppen gibt, die (je nach Lage am besten abseits der großen Gruppen) auf dem Bauplatz Markierungen entfernen oder farbliche Umgestaltungen vornehmen, so sehen wir darin keine Gefährdung der Gesamtaktion.
Sollten wir uns Abends noch auf der Baustelle befinden, setzen wir die Besetzung auch über Nacht fort. Wir machen ein Plenum, auf dem wir den Tag auswerten und die weitere Aktion organisieren (Essen, Schlafsäcke, Wasser, Toiletten, Unterhaltung). Wenn die Besetzung geräumt werden soll, werden sich viele Menschen einfach hinsetzen oder stehen bleiben. Andere haken sich bei einer Räumung unter oder benutzen Schutzausrüstung wie Schaumstoff. Die stehenden Ketten haben eine besondere Verantwortung, nicht in Panik auseinander zu laufen, um die Sitzenden und die möglicherweise hinter ihnen Stehenden nicht zu gefährden. Sollte die Polizei Gewalt anwenden, bleiben wir möglichst zusammen und lassen die Situation von unserer Seite nicht eskalieren. Wenn die Polizei drängelt und schiebt, können einzelne dagegen drücken und drängeln. Es soll aber weder geschlagen noch geworfen werden. Im Vorfeld einigen wir uns auf Kriterien, wann wir die Aktion abbrechen.
Die Menschen
Es ist uns wichtig, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Ausdrucksformen und Aktionshintergründen an der Besetzung teilnehmen. Wir laden alle emanzipatorischen Gruppen und Organisationen ein. Teile von uns bereiten Verkleidungen vor (Overalls, Schirme, PiratInnen) und rufen auch dazu auf, sich entsprechend vorzubereiten. Wer möchte kann seine Verkleidungen auch unter Berücksichtigung des Schutzes gegen Erkennen oder Verletzungen herstellen. Neben Verkleidungen der Einzelnen können wir uns auch gut Gimmicks, wie Luftballonwürste, Puschel, Schirme oder sonstige Basteleien vorstellen.
Eure Gegenstrom08-Kampagne – Cool breeze of resistance!